Mittwoch, 13. August 2008

Chaco

Die letzte Woche werde ich in 2 Teilen schreiben. Der erste Teil der Woche bestand aus einem Besuch im Chaco, die restliche Woche war ich als Fremdenführer unterwegs. Beides mit Besuchen (siehe letzter Eintrag, ebenfalls von heute). In Sachen Chaco hatten wir extrem viel Glück. Rene war Samstags mit Daniela zu Besuch bei Marlene und hat gefragt ob ich/wir Lust hätten uns seiner Reisegruppe ins Chaco anzuschließen. Die finanziellen Konditionen waren für uns ziemlich günstig und wenn man das Reiseprogramm überdenkt, dann hätte es schon gar nicht besser sein können. Das Chaco besteht aus 3 verschiedenen Gruppen: Indianer, Latino-Paraguayer und Mennoniten. Die Mennoniten sind natürlich auch Paraguayer mittlerweile, aber um sich abzugrenzen zu der restlichen Bevölkerung, so wird diese Latino-Paraguayer genannt. Die Mennoniten haben deutsche Vorfahren und reden größtenteils Deutsch bzw. Plattdeutsch. Als Norddeutscher dürfte man wohl sogar das meiste/alles verstehen, aber einige reden auch Hochdeutsch mit leichtem Akzent, was für den normalen Deutschen klar verständlich ist. Das die Mennoniten auf den Bauernkrieg, Luther und Menno zurückgehen ;) werde ich weglassen. Die ersten beiden Informationen sind witzig für Insider ;) Im Internet kann man alles nachlesen, wen es interessiert. Die Mennoniten haben 3 größere Kolonien. Dies liegt u.a. am Ursprungsland. Einige sind aus Kanada nach Paraguay gekommen, als in Kanada die Wehrpflicht eingeführt wurde, andere sind kurz nach dem 2.Weltkrieg aus der Ukraine über Deutschland nach Paraguay eingewandert. Das Chaco an sich ist eine harte Gegend. Im Sommer bis zu 46 Grad und im Winter sehr wasserarm. Kompliment daher an die ersten Pioniere. Was sie auf die Beine gestellt haben, ist beeindruckend! 6% der Paraguayer leben wohl im Chaco, dabei wird 20% des BIP hier erwirtschaftet. Ein witziges Detail ist ebenfalls, dass die älteren Stammesführer der Indianer eine gewisse Zeit sich auf Plattdeutsch unterhalten haben, weil sie sich ansonsten nicht untereinander verständigen könnten. Allein die Vorstellung ist schon cool. 10 000km von Deutschland entfernt treffen sich Indianerstämme und reden Plattdeutsch. schmog ;) ich weiß was das Wort bedeutet. :) Aber genug von den Hintergründen.
Gewohnt haben wir im Hotel Florida in Filadelfia. An der Hauptstrafe "Avenida Hindenburg". Am ersten Tag ging es nach Loma Plata, wo wir eine Führung durch ein Schlachthaus und eine künstliche Befruchtungsanlage bekommen hatten. Gerade das erste war nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Man hat zwar nicht gesehen wie die Tiere getötet wurden, aber es ist kein schöner Anblick zuzusehen, wie Rindern das Fell abgezogen wird und diese auf LKWs gestapelt werden. Ein Bulle schafft übrigens knapp 4000 künstliche Befruchtungen pro Jahr ;) Kompliment dazu! Waren interessante Führungen mit einem guten Führer. Abschluss des ersten Tages war eine Milchfabrik. Am zweiten Tag ging es nach Neuland in die 3 Kolonie. Zuerst wurden wir über die Geschichte der Kolonie aufgeklärt und es wurden uns einige Sachen gezeigt. U.a. ein Naturpark, damit man sich anschauen konnte, wie früher der Chaco wild ausgesehen hat. Sehr schwierige Bedingungen! Wir haben in Neuland sogar frisch geerntete Erdnüsse gegessen. Sehr lecker! Zudem sind die Erdnüsse eine gute Gelegenheit den Geschäftssinn der Mennoniten zu zeigen. Erdnüsse werden extrem gerne von Tauben gegessen. Um die Taubenplage in den Griff zu bekommen, kommen amerikanische Sportschützen, die sogar dafür Geld bezahlen. Die geschossenen Tauben bekommen die Indianer zum essen. Toller Kreislauf. Wirklich imposant. Der absolute Tageshöhepunkt war jedoch eine Indianersiedlung. Wir waren sogar 2 mal in dieser. Der Unterschied zwischen den Gebäuden und Gegenden der Mennoniten und der Indianer ist unglaublich groß. Den Indianern sind aber die Häuser wohl auch ziemlich egal. Hauptsache etwas zum essen und ansonsten in den Tag leben. Toll waren dafür die Kinder. Als wir aus unserem Auto ausgestiegen sind, sind sie schon auf uns zu gerannt und wollten fotografiert werden. Bei Fotos oder Videos haben sie sich dann dauernd ins Bild gedrängt, da sie unbedingt auf den Fotos sein wollten. Ein tolles Spektakel. Ich vergleiche es immer noch mit Werbung z.B. für UNICEF, wenn man Kinder aus Afrika strahlen sieht. Wir sind dann zurückgekehrt um Süßigkeiten für die Kinder zu kaufen. Ich habe selten so etwas tolles erlebt und so viele strahlende Kinder gesehen. Das hat Spaß gemacht und war eine total intensive Erfahrung. Gibt auch viele Videos und Bilder davon.
Am letzten Tag ging es morgens nach "Fort Boqueron". Ein Kriegsschauplatz im Chaco-Krieg. Es wurde zwischen Bolivien und Paraguay um Wasser gekämpft. Näheres zum Krieg werde ich wohl auch einmal veröffentlichen. Sind ein paar interessante Sachen dabei. Nur hätte man in meinen Augen viel mehr aus dieser Stätte machen können/müssen!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wer schafft denn keine 4000 befruchtungen im Jahr???iss doch nich soo viel

Anonym hat gesagt…

was ist eigentlich aus der letzten frage geworden??